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Schneeglöckchen: ein Bild der Waldenwerkstatt

Das Schneeglöckchen zeigt zwei gegensätzliche und sich doch bedingende  Elemente in seinen Farben. Das Weiß, die Winterfarbe, die mit Kälte und Kargheit verbunden ist, das Zeichen der "brachliegenden" Natur und gleichzeitig das leuchtende, die Seele erfrischende, helle Grün, das Zeichen des kommenden Frühlings. Deshalb sind die Farben des Schneeglöckchens auch unsere Praxisfarben.  

Henry D. Thoreau

"Sollten wir uns denn immer nur bemühen, ein Mehr an irdischem Besitz zu erlangen und uns nicht manchmal lieber mit weniger begnügen?" Das ist die große Lebensfrage, die der amerikanische Romantiker Henry David Thoreau (1817-1863) in seinem Buche "Walden oder Leben in den Wäldern" (1854) aufwirft. Und die berühmte Antwort, die er darauf findet, lautet: "Ein Mensch ist um so reicher, je mehr Dinge zu entbehren er sich leisten kann."

Die Familie Thoreaus stammte aus Frankreich, wanderte wegen des protestantischen Glaubens im 17. Jahrhundert nach England aus. In Concord (USA) wurde Henry D. Thoreau am 12. Juli 1817 als das dritte von vier Kindern geboren. Seine Eltern (Vater Kaufmann, Mutter Amerikanerin schottischer Abstammung) schickten ihn mit einem kleinen Stipendium aufs Harvard College. Dort legte er den Grundstein zu einer gediegenen Belesenheit in klassischen Sprachen, in englischer Literatur und in deutscher Sprache, insbesondere Texte von Goethe. Er verdingte sich als Volksschullehrer in Concord. Aber als körperliche Züchtigung der Schüler von ihm verlangt wurde, quittierte er den Dienst und gründete mit seinem älteren Bruder John eine Privatschule.

Einige Zeit später, nach dem Tod seines Bruders und anderen Ereignissen, gab ein zentrales Erlebnis seinem Leben neuen Inhalt: sein zweijähriger Aufenthalt in der selbstgezimmerten Blockhütte am Waldensee (1845-1847). Er verfolgte mit dieser naturnahen Lebensführung den Zweck, mit sich selbst ins Reine zu kommen und von den Dingen des alltäglichen Lebens philosophischen Abstand zu nehmen. "Wie können wir eine Gedankenernte erwarten, wenn wir keine Saatzeit des Charakters gehabt haben?" Thoreaus Saatzeit war dieser Aufenthalt am Waldensee.

Verbunden mit dem Gedanken: "Wenn du Luftschlösser baust, braucht deine Arbeit nicht umsonst zu sein; die Schlösser gehören in die Luft, du aber errichte die Fundamente darunter." Thoreau nannte sich einen "Realometer", einen "Wirklichkeitsmesser", und wenn sein Blick zu den Sternen strebte, so stand er doch mit beiden Beinen fest auf der Erde.

Seine Naturbeschreibungen sind genauste Aufzeichnungen des tatsächlichen Verhaltens der Tiere und Pflanzen oder der Vorgänge in der Natur. Er gewinnt gleich den Transzendentalisten wie Emerson, einem seiner Gönner, die Erkenntnis, dass natürliche Phänomene die Symbole geistiger Tatsachen sind, Leben in Analogie zu natürlichen Entwicklungen im Sinne metaphysischer Bedeutung.

Entschleunigung, Stille aushalten, Aufgabe des Überflüssigen und freiwillige Beschränkung waren seine Ziele. Diese Ziele sind sehr gut auf die heutige Zeit übertragbar: "Fliehe das Leben nicht und beschimpfe es nicht ... Lies mutig dein Geschick; sieh zu, was vor dir liegt, und schreite tapfer vorwärts in die Zukunft!" In Ankopplung an natürliche Abläufe - nicht in Abkopplung davon.